mir Erſatz gewähren für das Eine und Höchſte, was es mir verſagt hatte. Aber das Ereigniß hatte das Gute, daß es mich zwang, eine Reiſe in jene entfernte Stadt zu unternehmen, und dieſe Reiſe riß mich mächtig aus dem krankhaften Grübeln empor, in welches ich ungeachtet aller Thätigkeit von Zeit zu Zeit immer wieder verſank.
Die ſchönen Thäler, die majeſtätiſchen Gebirge, die herrlichen Ströme und maleriſchen alten Städte, welche ich berührte, Alles wirkte mit unſagbarer ſüßer Schwermuth auf mich ein, ich mußte immer wieder an das holde Gretchen denken, und es war, als ob ihr guter Stern mein Leben überſtrahle, als ob ihr Genius mich ſo reich und gütig überſchütte. Aber was half mir jetzt all dieſes Glück; vor einem Jahr hätte es mich ſtolz, muthig und ſelbſtvertrauend gemacht, jetzt kam es zu ſpät, gleichſam um mich deſto ſchmerzlicher empfinden zu laſſen, was ich entbehrte. Oft wollte mich die Luſt anwandeln, von hohen Brücken in den Strom zu ſpringen, oft mußte ich arme Fiſcher und Handwerker, Laſtträger und Karrenſchieber um ihr ſaures Tagwerk beneiden, denn ſie wußten doch, für wen ſie ſorgten.
Trotzdem übten die Zerſtreuung der Reiſe und ihre neuen Bilder allmälig ihre heilende Wirkung, und die


