Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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Wir wollen ſie recht aͤrgern und einander recht lieb haben.

Wir wollen uns luſtig machen uͤber dieſe ge⸗ ſtrengen Familien, welche uns einſt das Leben verbit⸗ terten und nun in Unfrieden unter ſich leben.

Alſo abgemacht wir bleiben die Alten.

Ein heiterer, lichter Lebensabend folgte auf dieſen letzten Pact der greiſen Liebenden. Sie betrachteten mit laͤchelndem Mitleid die Welt, welche ſie getadelt, verfolgt und verhoͤhnt hatte dieſe Welt, welche in Ausartungen und Laſtern aller Art ſtuͤckweiſe um ſie her zerfiel! Sie vergalten ihr nicht Gleiches mit Glei⸗ chem, ſie halfen oft den Ungluͤcklichen, ſie erwieſen Liebe Jenen, welche ſie einſt verſpottet hatten. Und ihre Zu⸗ friedenheit wurde nur getruͤbt durch das Elend und den Unfrieden, den ſie in der Familienwelt ſahen, welche ſie umgab. Es machte ſie lebensſatt, unter ſo vielen Un⸗ gluͤcklichen allein gluͤcklich zu ſein. Dieſes durch und durch zerruͤttete Familienleben, dieſes Siechthum der Generation es troͤſtete ſie nicht uͤber ihre vergan⸗ genen Leiden, es peinigte ſie.Gott, ſagte Baucis oft zu Philemon,Gott ſcheint die Menſchen wieder verderben zu wollen! Philemon antwortete nicht und ſeufzte. Der Herr erbarmte ſich endlich dieſer einſamen Gluͤcklichen und befreite ſie von dem An⸗ blick ſeines furchtbaren Gerichts. Ihre letzten Gedan⸗ ken waren ein Gebet fuͤr ihre Mitmenſchen.

Ende des zweiten Bandes.