Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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Gluͤcklicherweiſe bin ich nicht berufen, hier dieſer Urquelle nachzuforſchen, ich habe nur eine Stelle

zu zeigen, wo ſie bereits ein reißender Strom gewor⸗

den iſt, ein Strom, den jedoch Niemand zu gewahren

ſcheint, obgleich er alle unſere Wohlfahrt uͤberſchwemmt,

blos darum, weil Jedermann darin behaglich ſchwimmt,

unbekuͤmmert in der Wolluſt des Augenblicks, ob man

jemals das Ufer wieder zu erreichen im Stande ſein

wird. Denn Niemand kennt ſeine Kraͤfte, und ob⸗

gleich Jeder das ungluͤck Anderer ſieht, ſo ruͤhrt es

ihn doch nicht, er lacht wohl uͤber die Ungeſchickten, welche ſich vom Strome verſchlingen laſſen, und glaubt ſich durch ſeine Krafte wohl geſichert gegen ein ſo ſchmähliches Schickſal.

Dieſer Strom aber iſt die Zuͤgelloſigkeit unſerer Sitten, ausſchweifende Sinnlichkeit, bodenloſe Lieder⸗ lichkeit der Geſinnung und Geſittung unter Hohen und Niederen, Vornehmen und Geringen, Reichen und Armen, Prieſtern und Laien, Frauen und Maͤnnern, Jungen und Alten, unter Jenen, welche da befeh⸗ len, und Jenen, welche ihnen nicht gehorchen, Jenen, welche da lehren und predigen, und Jenen, welche ſie verhoͤhnen.

Daß die Sinnlichkeit in unſerem Zeitalter einen ſo ausſchweifenden Charakter annehmen konnte, iſt wohl dadurch veranlaßt, daß die chriſtlichen Prieſter, um ihre Macht und ihren Einfluß uͤber die Familien zu ver⸗

ſtärken, das Inſtitut der Ehe aus einem naturgemäß