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mein guter Hervey, und was iſt aus dieſen eiſernen Knieen und dieſen ſtählernen Armen geworden? Der Tod hat ſie berührt und ſie gebrochen, wie ein Kind
die Muttergottesfäden zerreißt, welche im September
auf unſeren abgeernteten Feldern umherfliegen. Todt! todt! mein Kind iſt todt!“
Doch dieſe Stärke, deren Nichtigkeit der alte Edel⸗ mann beſtätigte, und von der er ſelbſt der lebendige Typus bei dem erſchrecklichen Kampfe war, den er gegen den Schmerz aushielt, fehlte dem armen Hervey, der, plötzlich vor ſeinem Herrn auf die Kniee fallend, ausrief:
„Mein Gott, auf welche Art beſtrafſt Du die Bö⸗ ſen, wenn die Guten ſolche Wunden empfangen!“
Der Graf von Penhvél ſchaute den alten Diener an, öffnete ſeine Arme gegen ihn und ſprach feierlich:
„Umarme mich, Hervey; das iſt die einzige Art, wie ich Dir für Deinen Schmerz danken kann.“
Hervey erhob das Haupt, und wie ein Kind, das
mit angeſchwollenem Herzen an die Bruſt ſeines Vaters
ſtürzt, ſank er in die Arme des alten Edelmanns und
blieb ſo einen Augenblick eng mit ihm verſchlungen.
Doch den Kopf ſchüttelnd fuhr der unglückliche Vater fort, während er Hervey in ſeinen Armen preßte:
„Wie undankbar ſie ſind, die Kinder, mein lieber Hervey! ein Vater bringt den beſten, den ſchönſten Theil ſeines Lebens damit hin, daß er ſie pflegt, über ſie wacht, Menſchen aus ihnen macht; er hat für dieſes Fleiſch von ſeinem Fleiſche, für dieſe Knochen von ſei⸗ nen Knochen die aufmerkſame Sorgfalt, die er für eine zarte Pflanze hätte; er folgt, wie ein keuchender Gärtner, den Fortſchritten der Knoſpen, der Entwick⸗ lung der Blätter, dem Erſchließen der Blumen. Beim Anblicke dieſer friſchen, balſamiſch duftenden Blüthe der Kindheit freut er ſich in der Hoffnung auf das, was die Früchte der Jugend ſein werden; ſodann, eines Morgens, kommt ein ſchwarz geſiegelter Brief, der dem Vater ſagt:„Vater, ich habe nicht die Stärke gehabt,
Die Mohicaner von Paris. V. 22


