Teil eines Werkes 
19.-25. Bdchn (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

335

erinnerſt Du Dich? er war damals zehn Jahre alt, Du warſt noch da, denn Du haſt uns nie verlaſſen, mein guter Hervey; er wollte eine Flinte, der arme Knabe, und Du gabſt ihm die Deinige, Deine alte Flinte aus den Burgerkriegen, deren Lauf ſeinen Kopf um etnen halben Fuß überragte...

Hervey ſtieß einen Seufzer aus und ſchlug die Augen zum Himmel auf.

Du erinnerſt Dich ſeiner, Hervey, wie er die Flinte zwiſchen ſeinen Händchen hielt und Dich bat, ihn das Exerciren zu lehren. Aber Du, Du wollteſt nicht. Er mochte immerhin weinen, ſich ärgern, er⸗ zürnen, Du ließeſt ihn Thränen weinen und in Zorn gerathen und ſagteſt zu ihm:

Gnädiger Herr, ein Edelmann wie Sie muß nur den Degen handhaben lernen!

Statt den Degen zu handhaben, hat er die Feder gehandhabt; ſtatt ihn in die Polytechniſche Schule zu ſchicken, habe ich ihn in die Rechtsſchule geſchickt. Da ich keinen Officier aus ihm machen konnte, weil es kei⸗ nen Krieg gab, ſo wollte ich einen Bürger aus ihm machen. Der Krieg hätte ihn vielleicht verſchont, wie

er uns verſchont hatzder Fr ihn genommen und mir getödtet!. Verweilen Sie nicht immier bei dieſen traurigen Erinnerungen, mein würdiger Herr, ſagte Hervey. Traurige Erinnerungen! Erinnerungen, die mei⸗ nen Colombau in mir zurückrufen, Du nennſt das trau⸗ rige Erinnerungen? Im Gegentheile, ſprechen wir von ihm. Spräche ich nicht von ihm, wovon ſollte ich ſprechen? Spräche ich nicht von ihm, ſo würde das Stillſchweigen mich zernagen, wie der Roſt heute die alte Flinte zernagt, mit der er damals ſpielte. Sprechen Sie alſo von ihm, mein lieber Herr, ſprechen Sie von ihm! Nun wohl, Du erinnerſt Dich des Tages, wo er ſein zwölftes Jahr erreicht hatte? Wir führten ihn,