Teil eines Werkes 
13.-18. Bdchn (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

386

nicht; er war im Gegentheile nur in Verlegenheit über

die Wahl; doches gibt Mittel und Mittel, wie mir eines Tages im Vertrauen der Herr Graf von Neſſel⸗ rode ſagte.

Er hatte vor Allem, ich wiederhole es, das Mit⸗ tel des Fluſſes; der Fluß läuft für Jedermann, und Fafiou konnte ſich vom Pont Notre⸗Dame herab ins Waſſer ſtürzen; doch mit Schrecken bedenkend, daß er ſchwimmen konnte, und daß eine Kälte von zwölf Grad herrſchte, ſah er ein, er würde nicht ertrinken und ſich nur einen Schnupfen zuziehen! Er mußte alſo auf die jedem Andern geöffnete, für ihn allein verſchloſſene Todesart verzichten. Er hatte das Mittel des Feuer⸗ gewehrs; er konnte ſich erſchießen; Fafivu überlegte aber, er habe dergeſtalt Angſt vor dem Knalle, daß er in dem Augenblicke, wo ſich der Schuß hörbar machte, über Hals und Kopf davon laufen würde, ſo daß die Kugel in die Luft ginge und wieder herabfiele, ohne ihn getroffen zu haben! Er hatte das Mittel der Flamme; er konnte ſich wie Sardanapal auf einen Scheiterhaufen legen, ſich ſein Frühſtück, ſein Mittag⸗ eſſen, ſein Abendbrod dahin bringen laſſen, den Schei⸗ terhaufen in Brand ſtecken und verzehrend ſich verzehren machen; doch da er ſich einerſeits erinnerte, daß er Pheénir Fafiou hieß, da er andererſeits in Plinius und Herodot geleſen hatte, der Phönix erſtehe wieder aus ſeiner Aſche, ſo dünkte es ihm völlig unnütz, am Sonn⸗ tag zu ſterben, um am Montag oder Dienſtag wieder⸗ geboren zu werden. Er hatte das Mittel des Strickes; mit anderen Worten geſagt, er konnte ſich henken; doch als er plötzlich an die Menge von Leuten dachte, deren Glück er machen ſollte, indem er ihnen den unfehlbaren Talisman, welchen man den Strick eines Ge⸗ henkten nennt, hinterlaſſen würde, da umſchwebte ein menſchenfeindliches Lächeln ſeine Lippen, und er ver⸗ zichtete auf dieſes philanthropiſche Mittel! Es blieb das Gift, das unheilvolle Gift, das finſtere Gift;