Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

110

mit der ſich der Untergeordnete gegen ſeinen Herrn be⸗ nimmt. Sie hatte ſich den Dienſt von meinem Zimmer und von dem von Herrn Sarranti vorbehalten; ſie war beſorgt, hier vorzugsweiſe während des Frühſtücks oder des Mittageſſens einzutreten, und verrieth ihre Gegen⸗ wart nur durch jene Aufmerkſamkeiten, an welchen man bei dem, der ſie hat, die perſonliche Gewohnheit der übermäßigſten Reinlichkeit erkennt. Wir kamen regel⸗ mäßig in unſere Zimmer Abends um neun Uhr zurück, und um zehn Uhr war im Allgemeinen Jedermann ein⸗

*

geſchlafen. „Eines Abends, als ich Banque⸗ und Verwaltungs⸗ rechnungen durchzuſehen hatte,— das war im Decem⸗

ber 1818,— unterrichtete ich Orſola von meinem Wunſche, meine Arbeit ziemlich lang in die Nacht hinein fortzu⸗ ſetzen, und bat ſie, einen Holzvorrath in mein Zimmer heraufbringen zu laſſen. Sie brachte ihn ſelbſt, als ſie kam, um die Bettdecke umzuſchlagen; ſobald das Holz niedergelegt und das Bett zugerichtet war, ging ſie wie⸗ der ab, indem ſie mich in ihrem Patois fragte:

„„Hat der Herr nichts mehr nöthig?““

„„Nein,““ erwiederte ich, meinen Blick von ihr ab⸗ wendend; denn ich hatte bange, mein Blick könnte, ſich auf ſie heftend, aus meinem Herzen einen Blitz von der ſeltſamen unkeuſchen Gier, die ſie in mir erweckte, her⸗ vorſpringen machen.

„Sie ging hinaus, zog ſachte die Thüre hinter ſich zu, und ich hörte ſie die Treppe hinabſteigen und in ihr, Zimmer eintreten, das unter dem meinigen lag. Ich blieb nachdenkend, ohne darauf zu achten, daß nach und nach das Feuer erloſch, und ich fing erſt an es an der Kälte wahrzunehmen, die ſich meiner langſam bemäch⸗ tigte.

„Vergebens gedachte ich an dieſem Abend zu arbei⸗ ten: alle meine Gedanken waren anderswo. Ich wollte im Schlafe die Verſuchungen fliehen, die mich beſtürm⸗

———„— e———.—