Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn (1855)
Entstehung
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Zu gleicher Zeit aber wiederholte ſie ſich ſelbſt hun⸗ dertmal in der Minute, mit einer Stimme ſo haſtig als die Schläge ihres Herzens:Gott ſei geprieſen! er liebt mich! er liebt mich! er liebt mich!

Oh! welche tolle Luſt hatte Carmelite, ihm um den Hals zu fallen und ihn wüthend zu küſſen! doch das ernſte Geſicht des Bretagners erſchien ihr plötzlich im Geiſte, und ihr Wille hemmte ihr Verlangen, wie ihre Hand ihren Mund geſchloſſen hatte.

Colombau konnte wohl der geheimnißvollen Nacht ſeine Traurigkeit, ſein Weh, ſeine Liebe anvertrauen; er konnte ſich in der Einſamkeit, die er für ſtumm und blind hielt, über die Strenge der Pflicht, die er erfüllte, be⸗ klagen; aber ſeine Pflicht mit Füßen treten und laut das Geheimniß geſtehen, das ſeine Thränen leiſe verriethen, zwiſchen Dieſem und Jenem war eine unüberſchreit⸗ bare Kluft befeſtigt.

Carmelite beſchloß alſo, ſich innerlich dieſe unerwar⸗ tete, unausſprechliche, gränzenloſe Freude zu geſtehen, jedoch ohne äußerlich etwas davon ſehen zu laſſen.

Colombau blieb ſo ungefähr eine Stunde, kniete dann nieder, küßte die Thürſchwelle, erhob ſich wieder mit einem Seufzer und entfernte ſich langſam.

Carmelite folgte ihm mit den Augen, his er in den Pavillon zurückgekehrt war, und nun erſt wagte ſie es, auf die Kniee fallend, was ſie leiſe gemurmelt hatte, laut auszurufen:

Gott ſei geprieſen! er liebt mich! er liebt mich! er liebt mich!