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Ihr Gatte, der zwei Jahre lang ſeine Eiferſucht
gegen Heinrich zu verbergen wußte, hatte dieſe Gelegen⸗ heit ergriffen, um ſich an ihr zu rächen.
„Charlotte! Charlotte!“ rief Heinrich, die Menge theilend und vor dem Bette auf die Kniee ſtürzend.
Charlotte öffnete ihre ſchönen, bereits vom Tode verſchleierten Augen, ſtieß einen Schrei aus, der das Blut aus ihren zwei Wunden ſpringen machte, ſtrengte ſich an, um ſich zu erheben, und ſprach:
„Oh! ich wußte wohl, daß ich nicht ſterben konnte, ohne ihn noch einmal zu ſehen.“
Und als hätte ſie nur dieſen Augenblick abgewar⸗ tet, um Heinrich die Seele zurückzugeben, die ihn ſo heiß geliebt, drückte ſie nun ihre Lippen auf die Stirne des Königs von Navarra, flüſterte ein letztes Mal:„Ich liebe Dich,“ und fiel todt zurück.
Heinrich konnte nicht länger weilen, ohne ſich in das Verderben zu ſtürzen. Er zog ſeinen Dolch, ſchnitt eine Locke von dieſen ſchönen blonden Haaren, die er ſo oft gelöſt hatte, um ihre Länge zu bewundern, und entfernte ſich ſchluchzend, mitten unter dem Schluchzen der An⸗ weſenden, welche keine Ahnung hatten, daß er über ſo erhabenes Unglück weinte.
„Freund, Liebe,“ rief er ganz außer ſich vor Schmerz und Schrecken,„Alles verläßt mich, Alles entgeht mir zu gleicher Zeit.“
„Ja, Sire,“ ſagte ganz leiſe ein Menſch zu ihm, welcher ſich von der Gruppe der vor dem Hauſe zuſam⸗ mengeſchaarten Neugierigen getrennt hatte und ihm ge⸗ folgt war,„aber Ihr habt immer noch den Thron.“
„René!“ rief Heinrich.
„Ja, Sire, René, der über Euch wacht; dieſer Elende hat Euch verſcheidend genannt; man weiß, daß Ihr in Paris ſeyd, die Bogenſchützen ſuchen Euch, flieht, flieht!“
„Und Du ſagſt, ich werde König ſeyn, René, ich, ein Flüchtling?“


