Teil eines Werkes 
2. Bd. (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 6—

mers harmoniſch einwiegte. Verſtummte die Stimme, ſo erſchien an dem Fenſter, auf welches Triſtan faſt immer die Augen gerichtet hatte, ein weißer Schatten. Dieſer Schatten brachte ſeine Hand den Lippen näher, ſandte ſchweigend einen Kuß ſeinem Nachbar zu und ſchloß das Fenſter. Dann flimmerte hinter dem geſchloſſenen Fenſter⸗ vorhange noch kurze Zeit ein Licht und Triſtan, mit Au⸗ gen und Seele dem Scheine dieſes Lichtes folgend, das ſein Stern geworden war, ſchloß nur dann erſt ſein Fenſter, wenn das Louiſe's in Dunkelheit zurückſank. Hieraus zog er den Schluß, daß ſeine Frau ſich zur Ruhe begeben hatte und vielleicht von ihm träumte.

9.

So waren faſt drei Wochen verfloſſen, als Triſtan eines Morgens Wilhelm zu ſich in das Zimmer treten ſah. Der Handlungsdiener war bleich, ein Beweis, daß ihn ein drückendes Gefühl peinigte. Kaum war er in das Zimmer ſeines Rebenbuhlers getreten, als er den Kopf hängen ließ und Anſtand nahm, Triſtan die Hand zu rei⸗