Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn (1845)
Entstehung
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8 302 ob eine Kugel zu hoch oder zu tief einſchlägt, das ver⸗ ändert das Angeſicht einer Regierung ganz gewaltig, und wir haben ein Beiſpiel davon in unſerer Familie. Als Montgommery unſern Vater Heinrich 11. durch einen Zu⸗ fall, durch Aufregung vielleicht, tödtete, brachte der Schuß nnſern Bruder Franz ll. auf den Thron und unſern Vater Heinrich nach Saint⸗Denis. Gott braucht ſo wenig, um viel zu thun.

Der Herzog fühlte während dieſes eben ſo furcht⸗ baren als unvorhergeſehenen Stoßes den Schweiß über ſeine Stirne rieſeln. Der König konnte ſeinem Bruder unmöglich ausdrucklicher ſagen, er habe Alles errathen. Seinen Zorn unter einem Schatten von Scherz ver⸗ bergend, war Karl vielleicht noch ſchrecklicher, als wenn er die gehäßige Lava, welche ſein Herz vetzehrte, ſich hätte kochend nach Außen verbreiten laſſen. Seine Rache ſchien ganz im Verhältniß zu ſeinen Grolle zu ſtehen, und zum erſten Male lernte Alencon den Gewiſſensbiß oder vielmehr das Bedäuern kennen, daß er ein Ver re⸗ chen unternommen hatte, welches ihm in der Ausführung mißlungen war.

Er hatte den Kampf ausgehalten, ſo lange er ver⸗ mochte, aber unter dieſem letzten Schlage beugte er das Haupt, und Karl ſah aus ſei en Angen die verzehrende Flamme treten, die bei Weſen von einer zarten Natur die Furchen gräbt, durch welche die Thränen hervor⸗ ſpringen.

Aber Alencon gehörte zu den Menſchen, welche nur vor Wuth weinen.

Karl hielt ſein Geierange ſtarr auf ihn geheftet, und athmete gleichſam jeden von den Empfindungen, jeden von den Eindrücken ein, wie ſie ſich in dem Herzen des jun⸗ gen Mannes folgten. Und jede dieſer Empfindungen er⸗ ſchien ihm ſo beſtimmt und klar, in Folge der tiefen Studien, die er in ſeiner Familie gemacht hatte, als ob das Herz von Alencon ein offenes Buch geweſen wäre. Er ließ ihn ſo einen Augenblick niedergeſchmettert,

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