12 „Wenn ich mich an ihrer Stelle befände, und ich wüßte gewiß, daß ich König wäre, d. h., daß ich
Gott auf Erden verträte, ſo würde ich es machen, wie
Gott, ich würde vergeben.“
„Madame,“ rief René, das Opiat Frau von Sauve
aus den Händen reißend,„Madame, gebt mir dieſe Kapſel zurück. Ich ſehe, mein Gehülfe täuſchte ſich, als er ſie Euch überbrachte; morgen ſchicke ich Euch eine andere.“
II. Ein Menbekehrter.
Am andern Tage ſollte Parforce-Jagd im Walde von Saint⸗Germain ſeyn.
Heinrich hatte Befehl gegeben, ihm um acht Uhr Morgens ein kleines Bearner Pferd, das er Frau von Sauve zu geben beabſichtigte, vorher aber ſelbſt verſuchen wollte, geſattelt und gezäumt bereit zu halten. Um drei Viertel auf acht Uhr war das Pferd gerichtet; auf den Schlag acht Uhr kam Heinrich herab.
Stolz und feurig, trotz ſeines kleinen Wuchſes, ſträubte das Pferd ſeine Mähnen und tänzelte im Hofe. Es war kalt geweſen und ein leichtes Glatteis bedeckte
den Boden. Heinrich wollte den Hof durchſchreiten, um auf die Seite der Ställe zu gehen, wo ihn das Pferd und der Reitknecht erwarteten, als er an einem Schweizer Soldaten vorüberkommend, der an der Thüre Schiid⸗
wache ſtand, wahrnahm, daß dieſer Soldat das Gewehr
mit den Worten vor ihm präſentirte: „Gott erhalte Seine Majeſtät den König von Na⸗ varra!“.
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