16
René zu einem Ziele gelangen wollte, das ihm noch nicht ganz klar war, und beſchloß, dieſe Unterredung, welche ſo ſchmerzliche Erinnerungen in ihm erregte, bis zum Ende zu führen.
„Ihr kennt auch die Einzelnheiten der Vergiftung drs Prinzen von Porcian?“ fragte er.
„Ja,“ ſprach René.„Man wußte, daß er jede
Nacht eine Lampe in der Nähe ſeines Bettes brennen
ließ: man vergiftete das Oel und er wurde durch den Geruch getödtet.“
Heinrich zog krampfhaft ſeine durch die Wuth feuchten Finger zuſammen.
„Derjenige alſo,“ murmelte er,„welchen Ihr Euern Freund nennt, weiß nicht nur die einzelnen Um⸗ ſtände dieſer Vergiftung, ſondern er kennt auch den Ur⸗ heber derſelben?“
„Ja, und deßhalb wollte er wiſſen, ob Ihr auf den Prinzen von Porcian ſo viel Einfluß hättet, daß Ihr dem Mörder Verzeihung für die Vergiftung ſeines Bruders verſchaffen könntet?“
„Leider,“ erwiederte Heinrich,„habe ich, da ich noch halb Hugenott bin, auf den Herrn Prinzen von Porcian keinen Einfluß. Er hätte alſo Unrecht, wenn er ſich an mich wenden würde.“
„Aber was denkt Ihr von der Stimmung des Prinzen von Cyndé und des Herrn von Pordan?“ S
„Wie ſollte ich ihre Stimmung kennen, René? Gott hat mir, ſo viel ich weiß, nicht das Vorrecht ge⸗ geben, in den Herzen zu leſen.“
„Eure Majeſtät kann ſich ſelbſt befragen,“ ſprach der Florentiner ruhig.„Gibt es nicht in dem Leben Eurer Majeſtät ein ſo düſteres Ereigniß, daß es als Probe für die Milde dienen kann, ſo ſchmerzlich auch ein Probierſtein für die Großmuth ſeyn mag?“
Dieſe Worte wurden mit einem Tone ausgeſprochen, 8
der ſelbſt Charlotte beben machte. Es war eine ſo un⸗
mittelbare, ſo empfindliche Anſpielung, daß die junge
—


