316
wie viele Töpfe und Parfumerien, wie viele Säcke mit Pulvern, wie viele Phiolen, wie viele Räucher⸗ pfännchen!“
„Das ſcheint viel zu ſein,“ verſetzte Charlotte ſeufzend,„und dennoch iſt es zu wenig; denn mit Al⸗ lem dem habe ich noch nicht das Mittel gefunden, allein über das Herz Eurer Majeſtät zu herrſchen.“
„Stille, ſtille,“ ſprach Heinrich,„verfallen wir nicht wieder in die Politik. Wozu iſt dieſer kleine, zarte, feine Pinſel? nicht etwa, um damit die Augen⸗ brannen meines olympiſchen Jupiters zu malen?“
„Ja, Sire,“ antwortete Frau von Sauve lächelnd, „Ihr habt es mit einem Male errathen“
„Und dieſer hübſche, kleine elfenbeinerne Rechen?“
„Um die Linie der Haare zu ziehen.“
Und dieſe reizende ſilberne Kapſel mit dem ciſe⸗ lirten Deckel?“
„Oh! das iſt eine Sendung von René, Sire. Es iſt das berühmte Opiat, das er mir ſeit ſo langer Zeit verſpricht, um die Lippen noch milder zu machen, Eure Majeſtät zuweilen ſüß zu finden die Güte a
Um zu beſtätigen, was die reizende Frau geſagt hatte, deren Stirne ſich immer mehr erheiterte, je mehr man ſie auf das Gebiet der Coquetterie brachte, drückte Heinrich ſeine Lippen auf die, welche Frau von Sauve aufmerkſam in ihrem Spiegel betrachtete.
Charlotte ſtreckte die Hand nach der Kapſel aus, welche der Gegenſtand obiger Erklärung geweſen war, ohne Zweifel, um Heinrich zu zeigen, wie man den rothen Teig anwandte, als ein dumpfer Schlag an die Thüre des Vorzimmers die zwei Liebenden beben machte. „Man klopft, Madame,“ ſagte Darble, den Kopf durch die Oeffnung des Thürvorhanges ſeckend.
„Sieh nach, wer klopft, und komm'zurück,“ ſprach Frau von Sauve.


