mir nicht Alles, was Ihr auf dem Herzen habt. Was habe ich denn gethan? Sprecht, welches Verbrechen habe ich begangen? Es iſt nicht möglich, daß Eure Majeſtät all' vieſen Lärmen wegen eines an meinen Bruder ge⸗ ſchriebenen Briefes macht.“
Seinerſeits auf eine ſo unmittelbare Weiſe angegrif⸗ fen, wußte der König nicht, was er antworten ſollte. Er dachte, es wäre der geeignete Augenblick, die Aufforderung die er erſt am Vorabend des Feſtes machen ollte.
„Madame,“ ſprach er mit Hoheit,„es wird alsbald
ein Ball im Rathhauſe ſtattfinden. Ich erwarte, daß Ihr unſern braven Schöppen die Ehre anthun werdet, daſelbſt in Cermonienkleider und beſonders mit den Diamant⸗Ne⸗ ſtelſtiften geſchmückt, die ich Euch an Eurem Namensfeſte gegeben habe, zu erſcheinen. Das iſt meine Antwort.“ Die Antwort war furchtbar; Anna von Oeſterreich glaubte, Ludwig XIII. wüßte Alles, und der Cardinal hätte von ihm dieſe lange Verſtellung von ſechs bis ſieben Tagen erreicht, die übrigens in ſeinem Charakter lag.
Sie wurde ungemein bleich, ſtützte ihre bewunderungswür⸗
dig ſchöne Hand, welche jetzt von Wachs zu ſein ſchien, auf eine Conſole, ſchaute den König mit erſchrockenen Au⸗
„ gen an und antwortete keine Sylbe.
„Ihr verſteht, Madame,“ ſagte der König, der ſich an dieſer Verlegenheit in ihrer ganzen Ausdehnung er⸗ götzte, aber ohne die Urſache zu errathen,„Ihr verſteht?“
„Ja, Sire, ich verſtehe,“ ſtammelte die Königin.
„Ihr werdet auf dieſem Ball erſcheinen?“
Ja
„
„Mit Euren Neſtelſtiften?“ „Ja*
Die Bläſſe der Königin nahm wo moglich noch zu,
der König bemerkte es, und genoß dies mit jener kalten
Grauſamkeit, welche eine von den ſchlimmen Seiten ſeines
Charakters bildete.„


