v W
—
W
— 85
—
215
friſchen. Abgeſehen von ſolchen albernen Mährchen
bleibt ſo viel wahr, daß er ſich durchaus nicht ent⸗ ſchließen konnte zu ſterben.
Er ließ ſich aus Neapel einen braven heiligen Mann, Francesco da Paola, ſchicken. Er hoffte, der fromme Eremit, der ſchon zu ſeinen Lebzeiten heilig geſprochen wurde, möchte für ihn beten, und Gott möchte ihm auf die Fürbitte ſeines Dieners ein längeres Leben ſchenken.
Aber die Gebete des Heiligen wirkten nichts oder ſehr wenig.
Jetzt kam der König auf die Idee— und er hatte immer ſolche Ideen— das heilige Helfläſch⸗ chen aus Rheims kommen und ſich noch einmal ſal⸗ ben zu laſſen.
Der Abt von St. Remy verweigerte das ge⸗ weihte Gefäß; aber Ludwig Xl ließ dem Pabſt durch ſeinen Neffen, den er gleich den andern er⸗ kauft hatte— er würde den Teufel erkauft haben, wenn dieſer ſich mit Geld begnügt hätte— Lud⸗ wig Xl, ſagen wir, ließ dem Pabſt durch ſeinen Neffen ſchreiben, und der Abt von St. Remy er⸗ hielt Befehl die heilige Helflaſche herauszugeben.
Vermuthlich war es zu ſpät, als daß das Mit⸗ tel noch hätte wirken können. Der König fühlte, daß er ſterben mußte.
„Wenn der Angenblick kommt, ſo mahnt mich daran,“ ſagte er,„aber thut es mit Schonung.“
Eines Tages trat Coythier an ſein Bett.
„Heute Abend wird Fuer Stündlein ſchlagen,“ ſagte er brutal.


