Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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von York hatte an dieſem Verhältniß Nichts geän⸗

dert. Hören wir jetzt, was in Lüttich vorging. Man hat behauptet, Ludwig XI habe ſich, als er die Abnahme ſeiner Kräfte ſpürte, Kinderblut in die Adern ſpritzen laſſen; dieſe chirurgiſche Lüge

brachte die arme Stadt Lüttich buchſtäblich in Aus⸗

führung.

Statt ihres auf dem Schlachtfeld und dem Schaffot verlorenen Blutes ſpritzte ihr die Rückkehr der Verbannten ein noch patriotiſcheres und heißeres Blut in die Adern, als bisher darin gerollt hatte.

Die Verbannten waren ſo zahlreich, daß ſie allein eine Armee ausmachten; eine furchtbare Armee, die den Tod nicht fürchtete, denn der Tod war für dieſe Unglücklichen nur das Ende ihrer Leiden. Es war ein gräßlicher Anblick um dieſe Soldaten mit ihren zerlumpten Kleidern, ihren ungekämmten Bär⸗ ten, ihren über die Schultern herabfallenden Haa⸗ ren, ihren Knotenſtöcken und Piken, die ſie in ihren Fäuſten ſchwangen.

Sie hörten ſagen, daß die verzweifelnde Stadt Lüttich in einer letzten Anſtrengung ſterben wolle; ſie eilten herbei, um ihren Antheil am Tode der Voterſtadt zu verlangen.

Am 4. Auguſt machten ſie einen vergeblichen Verſuch im Vorübergehen Bouillon zu nehmen. Am 8. September zogen ſie unter dem Ruf:Es lebe der König, in Lüttich ein.

Sie ſahen ſo ſchrecklich aus, daß die Stadt ihnen vielleicht ihre Thore verſchloſſen haben würde, wenn ſie noch welche gehabt hätte.