Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

h

25

Die Reichsſtände wollten an dieſen Verrath von Seiten eines franzöſiſchen Prinzen nicht glauben; der König zeigte ihnen eine vermuthlich von War⸗ wick gegengezeichnete Abſchrift von dem Schreiben ſeines Bruders.

Warwick war fortwährend mit Ludwig Kl ſehr befreundet. Eduard konnte den Krieg wollen, Eng⸗ land wollte ihn nicht. Der König war damals ſo wenig Herr ſeiner Politik, als es die Königin heut⸗ zutage iſt. Die Biſchöfe und die Lords ſchickten Warwick nach Rouen. 2

Ludwig Xl ging dahin, um ihn zu empfangen er fetirte ihn nach ſeiner eigenen Weiſe, nicht mit Turnieren und Schauſtellungen, welche die Augen erfreuten, aber die Taſchen leer ließen, ſondern er führte die Engländer zu den Tuch⸗ und Sammt⸗ ſabrikanten in der Stadt und ſagte zu ihnen:Da wählet Euch aus. Hinter ihm ſtanden Lakaien mit großen Geldſäcken, die Alles bezahlten, was die Engländer genommen hatten. Die Folge davon war, daß die normänniſchen Kaufleute einen ge⸗ waltigen Unterſchied machten zwiſchen den engliſchen Freunden Ludwigs Xl, die ihnen viel zu löſen gaben, und den engliſchen Freunden des Herzogs von Burgund, welche ſie ruinirt hatten.

Ludwig Rl ließ ferner, da er die Goldgier der Engländer kannte, ausdrücklich für ſie große Gold⸗ ſtuͤcke prägen, die das Gewicht von zehn Thalern hatten und ſo breit waren, daß nur ein einziges in eine Hand ging.

So ſtand alſo Ludwig Kl. mit England, und die Vermählung des Herzogs mit Margareth