der nordamerikaniſche Freibeuter. 17
Manuel ſchwieg einen Augenblick, über das ſeltſame Ge⸗ miſch von Spott und Naivität nachdenkend, wie es aus den Antworten ſeines Begleiters hervorſchimmerte. Dann fragte er:
„Was hat denn aber dieſer Menſch für einen Charakter?“
„Was für einen Charakter?.. Hm, liebſter Baron, Graf oder Marquis...
„Graf,“ ſagte Manuel mit einer Verbeugung.
„Nun alſo, liebſter Graf, ſo muß ich Ihnen ſagen, daß Sie mich nicht wenig in abſtracten Gegenſtänden herumtreiben... Als ich Ihnen meine geringe Kenntniß der Algebra zur Ver⸗ fügung ſtellte, geſchah es nicht ſie auf die Erforſchung eines Un⸗ bekannten anzuwenden... Nach ſeinem Charakter fragen Sie? Ja, du lieber Gott, mein beſter Graf, wer kann vom Charakter eines Menſchen ſichre Kunde geben2... Es iſt zwanzig Jahre her, daß ich, wie Sie mich hier ſehen, bald mit einer Barke bald mit einer Fregatte das weite Meer durchfurche, ſo daß ich immer nur den Oeean und den Himmel erblickte, immer nur die Launen des neptuniſchen Reichs befragt und ſtudirt habe, und dennoch kenne ich den Charakter dieſes Reiches noch nicht weiter, als daß es von vier Haupt⸗ und zweiunddreißig Nebenwinden
bewegt wird... Wie könnte ich nun den Charakter eines Men⸗
ſchen beurtheilen, den tauſend Leidenſchaften bewegen?“ „Danach fragte ich Sie auch nicht, mein liebſter Herzog, Marquis oder Graf...“ 6 2


