21¹ Jungfrau von Orleans.
So etwas war ihm in ſeiner neunzehnjährigen Amts⸗ praxis nicht vorgekommen.
Das Mitleiden, welches der Scharfrichter empfunden, hatte noch viele andre Perſonen ergriffen. Schon als der Scheiterhaufen in Brand geſteckt wurde, hatten ſich meh⸗ rere Beiſitzer und u. a. Houppeville, Migot, Fa⸗ brh, Riquier und Mauchon entfernt, weil ſie nach ihrer Aeußerung ein ſolches Schauſpiel nicht ertragen könnten. Mauchou, der apoſtoliſche Notar, erklärte, er habe noch bei keinem Unglücksfalle, der ihm zugeſtoßen, ſo viele Thränen vergoſſen; er kaufte dann für einen Theil ſeiner Proceßgebuͤhren ein Meßbuch, aus welchem er ſeine ganze übrige Lebenszeit für Johanna betete.
In dem Augenblicke als die Märthrin verſchied, hörte man Jean de la Pie, Domherrn von Rouen ausrufen: „Mein Gott, mein Gott, gewähre mir die Gnade meine Seele im Augenblicke meines Todes an den Ort zu ver⸗ ſetzen wo ſich die Johanna's befindet!“
Der Schreiber des Königs von England kehrte nach der Hinrichtung wieder nach Hauſe zurück, indem er ſagte: „Wehe, wehe uns! Wir haben eine Heilige verbrannt, deren Seele im Paradieſe iſt!“
Ein Engländer und zwar einer der wüthendſten Feinde Johanna's, welcher einſt geſagt hatte er werde am


