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Jungfrau von Orleans. 213
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rief abermals:„O Rouen, ich beſorge ſehr, Du werdeſt für meinen Tod zu leiden haben!“
Die Flamme war der Märthrin ſchon ganz nahe und der Rauch bildete zwiſchen ihr und den Zuſchauern eine Art Vorhang. So oft der Wind den Rauch etwas ver⸗ trieb, ſah man die Jungfrau ihre Augen gen Simmel richten, während ſie mit lauter Stimme zu Gott rief. Plötzlich folgte die Flamme dem Rauche; man hörte ſie noch den Namen Jeſus ausrufen und zuletzt einen Schrei der Todesangſt. Ihre reine Seele ſchwang ſich zum Him⸗ mel empor.
Sowie der Scharfrichter ſah, daß Johanna den Geiſt aufgegeben hatte, ſchritt er auf Ladvenu zu und ſprach mit beſorgter Miene„Glaubt Ihr auch, daß mich Gott nicht für das Leid beſtraft, welches ich dieſer Hei⸗ ligen angethan habe?“
„Ihr ſeid nur das Werkzeug,“ antwortete Ladvenu, „und Gott wird das Werkzeug, welches geſchlagen, von dem Arme, welcher es geleitet hat, zu unterſcheiden wiſſen.“
Hierauf ſtieg der Henker am Schafott empor und be⸗ merkte, daß Johanna's Herz trotz dem Schwefel, den Kohlen und dem Oel, die er auf ihrer Bruſt angebracht hatte, von der Flamme nicht berührt und ganz blutig war.


