198 Jungfrau von Orleans.
Da erhob ſich die Jungfrau und ſprach zu Gunſten deſſen, der ſie ſo ſchändlich verlaſſen hatte:„Wit Eurer Erlaub⸗ niß ſage ich Euch, daß der von Euch geſchmähte König der edelſte aller Chriſten iſt, welcher den Glauben und die Kirche herzlich liebt, daß er alſo keineswegs iſt was Ihr ſagt!“
„Bringt ſie zum Schweigen!“ riefen der Biſchof von Beauvais und Erard wie aus einem Munde dem Gerichtsdiener Maſſieu zu, welcher nun die Jungfrau zwang ſich zu ſetzen und ihr gleich darauf mit lauter Stimme die Abſchwörungsformel vorlas. Zuletzt ſtreckte er die Formel nach der Angeklagten aus und rief ihr zu:„Schwöre ab!“
„Ach, ich weiß nicht was Ihr mit der Abſchwörung von mir wollt!“ ſagte Johanna.
„Dann erklärt es ihr, und zwar hurtig!“
Ein ſolches Verfahren war ſelbſt dem Gerichtsdiener zu toll, obwohl er ſchon ſo manchen Verbrecher in's Ge⸗ fängniß und zum Schafott begleitet hatte. Er ſah Jo⸗ hanna's Aufrichtigkeit und fühlte ſich von Mitleid ge⸗ gen ſie ergriffen. Sich zu ihr hin neigend gab er ihr heimlich den Rath ſich auf die allgemeine Kirche zu be⸗ rufen. Sogleich erhob ſich Johanna und ſprach mit ſanfter aber feſter Stimme:


