8 Jungfrau von Orleans.
„Nun, Bruder Jacques, der Du immer mehr weißt als wir Andern, kannſt Du uns auch wohl ſagen, wer der Ritter iſt, welcher ſo lange und ſo andächtig in un⸗ ſrer Kirche betet?“
„Das wollte ich von Dir hören, Bruder Durand,“ antwortete der Angeredete;„denn ich erinnere mich nicht das Geſicht des Edelmannes jemals geſehen zu haben.“
„Was ich von ihm halte, kann ich Dir wohl ſagen. Er wird wohl einer von den Schnapphähnen ſein, die unter dem Vorwand, unſerm armen König Karl VII. zu dienen, auf eigne Fauſt das Land durchziehen und aus⸗ plündern. Jetzt hat er Zeit ſich unſre ſilbernen Altar⸗ leuchter zu beſehen...
„Ei, ei, Bruder Durand,“ ſagte Jacques kopf⸗ ſchüttelnd,„ſprichſt Du doch ſo leichtſinnig wie ein jun⸗ ger Mann von 25 Jahren! Wer wird denn ſeinen Näch⸗ ſten gleich auf den bloßen Schein hin verdammen! Mir iſt der Ritter eher wie ein frommer Kriegsmann vorge⸗ kommen denn wie ein frecher Wegelagerer...“
„Nun, Bruder Jacques,“ fiel ihm der Andre in's Wort,„wenn Du ihn für ſo fromm und artig hältſt, ſo gehe doch hin und frage, woher er kommt und wohin er fährt.“
„Wäre nur Jeannette hier,“ ſagte der juͤngſte von
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