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„Ah!“ rief Chriſtian,„bei meiner Ehre, dieſer Menſch wird mich raſend machen!“
„Warten wir, mein Freund!“ ſagte ſie.„Früher ſang ich den ganzen Tag, wie die Vögelchen, die an mein Fenſter kamen und das Brod vom Geſimſe pickten, und nie beleidigten meine Lieder Gott; warum ſollte Gott wollen, daß ich nie mehr ſänge? Gott liebt mich, ich verdiene ſeine Liebe, und er wird et⸗ was für mich thun.“
„Ich biete Ihnen aber dieſes Etwas ſchon ganz gemacht!“ rief Chriſtian.
„Nein, Sie bieten mir an, daß ich den Eid nicht halte, deſſen mich der Tod allein entbinden kann.“
„Ich werde Ihren Gatten tödten.“
„Nehmen Sie ſich in Acht, Chriſtian! tödten Sie ihn, ſo können Sie mich nicht heirathen!“
„Ah, ja! immer heirathen!... Stolz!“
„Sie, der Sie behaupten, Sie lieben mich mehr als Auger, Sie werden doch nicht weniger thun, als er gethan hat.“
„Ei! mein Gott! mache ich Ihnen etwas ſtreitig?“ rief Chriſtian;„flehe ich Sie nicht vielmehr an, mir Alles zu geben gegen mein ganzes Leben? Hören Sie, Ingénue, Sie ſind zu kalt, und Sie berechnen zu ſehr, um zu lieben: Ingénue, Sie lieben nicht!“
Ingénue ſchien nicht im Geringſten von dieſer Verzweiflung von Chriſtian ergriffen zu werden.
„Jeder Menſch liebt, wie er kann,“ erwiederte ſie;„ich habe Sie über zwei Monate erwartet: Sie
haben mir keine Nachricht von ſich gegeben, und heute, da Sie zurückgekommen ſind, kaum zurückge⸗


