als Sie wieder zu ſich gekommen waren, nicht ge⸗ ſchrieben? warum haben Sie denn nicht Mittel ge⸗ funden, mir Nachricht von ſich zu geben?“
„Einmal, weil ich es nach dem, was zwiſchen Ihrem Vater und mir vorgefallen, nicht wagte, unſer Geheimniß irgend Jemand anzuvertrauen; weil ich acht Tage lang nicht ſprechen konnte; weil ich einen Monat lang nicht ſchreiben konnte; ſobald ich es aber konnte, that ich es.“
„Ich habe keine Briefe empfangen,“ erwiederte Ingénue mit einem Seufzer und den Kopf ſchüttelnd.
„Ich begreife es, denn die zwei Briefe, die ich Ihnen geſchrieben, hier ſind ſie.“
Und er zog die zwei Briefe aus ſeiner ſeidenen Weſte und reichte ſie Ingénue.
Ingénue befragte Chriſtian mit dem Blicke.
„Ich habe es nicht gewagt, ſie auf die Poſt zu geben, ich habe es nicht gewagt, ſie einem Commiſ⸗ ſionär zu geben, ich habe es nicht gewagt, ſie einem Freunde anzuvertrauen. Ich befürchtete, ſie könnten Ihrem Vater in die Hände fallen oder Sie einem Fremden gegenüber compromittiren. Sie ſehen wohl, daß ich, wenn ich ſtrafbar, es aus zu viel Ehrfurcht für Sie geweſen bin.“
Chriſtian bot Ingénue fortwährend die zwei Briefe dar, die ſie nicht zu nehmen wagte.
„Leſen Sie,“ ſagte Chriſtian,„und Sie werden ſehen, ob ich ſchuldig bin.“
Ingénue begriff aber, läſe ſie, ſo würde der junge Mann ſeinerſeits nicht verfehlen, auf ihrem Geſichte die verſchiedenen Eindrücke zu leſen, die ſie
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