Und ſie, trotz ihres heiteren Putzes, ihrer Frauen⸗ miene und der Dreiſtigkeit dieſes ihrem Geliebten in freier Luft gegebenen Rendez⸗vous, blieb plötzlich unſchlüſſig, ſtumm, zitternd und nicht wiſſend, wo ſie anfangen ſollte, ſtehen.
Chriſtian nahm ſie, wie geſagt, bei der Hand und führte ſie in den dunkelſten Schatten.
Hier, glaubte er, würde ſie noch mehr ihm ge⸗ hören, weil ſie Niemand ſehen konnte.
Beide ſetzten ſich auf eine Bank, oder Ingénue ſank
vielmehr auf eine Bank und Chriſtian ſetzte ſich zu ihr.
Wie in Francisca von Remini von Dante, wo die Frau erzählt und der Mann weint, wagte es Chriſtian nicht, das Geſpräch in Angriff zu neh⸗ men und ließ Ingénue zuerſt reden.
„Sie ſind da,“ ſagte ſie mit dem bezeichnendſten Tone, und dieſer Ton drückte zugleich einen Vorwurf und guten Morgen aus.
„Ah! warum haben Sie mich nicht früher geru⸗ fen, Madame!“ ſprach Chriſtian.
„Und wann dies?“
„Vorgeſtern, zum Beiſpiel.“
„Vorgeſtern?“ erwiederte Ingénue.„Das war wie vor einer Woche, wie vor einem Monat... Ach! Herr Chriſtian hatte mich vergeſſen, verlaſſen!“
„Oh! das konnten Sie glauben?“ rief er.
„Ei!“ verſetzte die junge Frau mit Thränen in den Augen,„ich habe es wohl geſehen, wie mir ſcheint.“
„Wie!“ fragte er,„wiſſen Sie nicht, was mich von Ihnen entfernte?“
„Ihr Wille wahrſcheinlich, oder, was noch ſchlim⸗ mer, Ihre Laune.“


