185
die Stirne zu bieten; ſie eilte in der bezeichneten Richtung fort, aber bevor ſie verſchwand, hatte ſie noch Zeit dem König die letzten Worte zuzuwerfen: „Haltet Euer Verſprechen, Sire!“ Der letzte Ton dieſer Worte war noch nicht
verhallt, als die Königin Mutter, zum zweiten Mal
an dieſem Tag, im Schlafzimmer ihres Sohnes er⸗ ſchien.
„. ⸗**
Eine Viertelſtunde nach der Hinrichtung Anne Dubourgs glich der Greveplatz, düſter und verlaſſen, nur noch hie und da von einem letzten Aufflackern des Scheiterhaufens beleuchtet, einem großen Kirch⸗ hof, und die Funken, die umherhüpften, erhöhten
die Aehnlichkeit, indem ſie jene Irrlichter vorſtellten,
die in den langen Winternächten über den Gräbern tanzen.
Und dieſe Illuſion wurde noch vervollſtändigt durch zwei Männer, welche langſam und ſtill wie Geſpenſter über den Platz ſchritten.
Ohne Zweifel hatten ſie mit ihrem nächtlichen Shiern gewartet, bis die Menge ſich zerſtreut
atte.
„Nun, Prinz,“ begann einer der beiden Männer, indem er zehn Schritte vom Scheiterhaufen ſtehen blieb und traurig ſeine Arme kreuzte,„was ſagt Ihr von dem was ſo eben vorgefallen iſt?“
„Ich weiß nicht, was ich Euch antworten ſoll, mein Vetter,“ antwortete der Mann, der als Prinz angeredet worden;„aber das weiß ich, daß ich ſchon viele menſchliche Geſchöpfe habe ſterben ſehen; ich
1 3
—


