HX. Die Toilette der Venus.
Wenn wir ſagen, ſie ſei auf den Zehen hinter dieſer abſcheulichen Lanoue einhergeſchlichen, ſo täu⸗ ſchen wir uns, nicht in Bezug auf Lanoue, ſondern auf Fräulein von St. André.
Einmal im Saal der Verwandlungen, ging Fräulein von St. André nicht mehr hinter, ſon⸗ dern vor Lanoue her.
Lanoue blieb hinten, um die Thüre zu ſchließen.
Das junge Mädchen ſtellte ſich vor einen Toi⸗ lettentiſch, worauf zwei Leuchter ſtanden, welche nur auf die mittheilſame Flamme, die ihnen das Leben geben ſollte, warteten, um mit ihrem ganzen Glanze zu leuchten.
„Ihr ſeid gewiß, daß man uns nicht geſehen hat, meine liebe Lanoue?“ fragte ſie mit jener hol⸗ den Stimme, welche, nachdem ſie im Herzen des Prinzen die Liebe entzündet, jetzt ſeinen Zorn ent⸗ flammte.
„Oh, fürchtet Nichts, gnädiges Fräulein,“ ant⸗ wortete die Kupplerin.„In Folge des Drohbrie⸗ fes, der geſtern dem Könige zukam, ſind die ſtreng⸗ ſten Befehle ergangen, und nach zehn Uhr Abends ſind die Thore des Louvre verſchloſſen worden.“
„Für Jedermann?“ fragte das junge Mädchen.
„Für Jedermann.“
„Ohne Ausnahme?“
„Ohne Ausnahme.“ „Selbſt für den Prinzen von Conds?“


