190
Sie war als Königin der andern Tapiſſerien von einer ſilbernen Lampe beleuchtet, die von Ben⸗ venuto Cellini ſelbſt ſculptirt und nicht, wie man verſicherte, gegoſſen worden war. Und in der That, welcher andere als der florentiniſche Meiſelkünſtler hätte ſich ſchmeicheln können einen Silberblock in eine Blumenvaſe umzuſchaffen, aus welcher die Flamme ſelbſt als Lichtblume hervorſtrahlt!
Dieſe Danae bildete die Wände eines Alkovens, und die Lampe, welche die unſterbliche gemalte Danae beleuchtete, hatte zugleich die Beſtimmung all die lebendigen ſterblichen Danaen zu beſtrahlen, welche in dem Bett, worüber ſie hing, den Gold⸗ regen der Jupiter dieſes irdiſchen Olymps erwarten ſollten, den man den Louvre nannte.
Der Prinz ſchaute um ſich, hob die Fenſter⸗ und Thürvorhänge auf, um ſich zu vergewiſſern, daß er allein ſei, ſtieg dann nach dieſer genauen Durchſuchung über das Geländer weg, legte ſich auf den Teppich und ſchlüpfte unter das Bett.
Für diejenigen unſerer Leſer, die mit dem Ameublement des ſechzehnten Jahrhunderts nicht vertraut ſind, wollen wir ſagen was das Gelän⸗ der war.
Geländer nannte man die gallerieartige Ver⸗ zäunung aus kleinen Pfeilern, die ſich um die Betten herumzog, um die Alkoven zu ſchließen, wie man ſie noch heutzutage im Chor der Kirchen und Ca⸗ pellen und in Ludwigs XIV. Schlafzimmern in Ver⸗ ſailles ſieht.
Wir haben geglaubt, der Leſer würde uns, indem er mit Herrn von Condé über das Geländer


