So unſchuldig dieſe Anklage auf den erſten Blick erſcheinen mochte, ſo rief ſie doch eine unge⸗ heure Aufregung unter der Menge hervor. Die Menge amüſirte ſich und wäre wüthend geweſen, wenn ein Gewitter ſie in ihren Luſtbarkeiten geſtört hätte. Die Menge hatte ihre Sonntagskleider an und wäre wüthend geweſen, wenn der Regen ihre Sonntagskleider verderbt hätte. Das Geſchrei in Folge dieſer Aufklärung wurde daher immer ärger. Man näherte ſich dem Ort, woher die Stimmen kamen, und allmählig drängte ſich ein ſo dichter Volkshaufen dort zuſammen, daß ſelbſt der Wind Mühe gehabt hätte durchzukommen.
Inmitten dieſer Gruppe, die beinahe von ſich ſelbſt erſtickt wurde, kämpfte ſich ein junger Menſch von etwa zwanzig Jahren ab, in dem man leicht einen vermummten Studenten erkannte; mit blaſſen Wangen, bleichen Lippen, aber geballten Fäuſten ſchien er darauf zu warten, daß kühnere Angreifer als die andern, ſtatt ſich mit bloßem Geſchrei zu begnügen, wirklich Hand an ihn legten, und dann wollte er Alles zu Boden ſchlagen, was ihm unter die beiden Streitkolben geriethe, die ſeine geſchloſ⸗ ſenen Fäuſte bildeten.
Er war ein großer Blondin, aber ziemlich ma⸗ ger und leibarm; er ſah aus wie eines der als Herrn verkleideten galanten Jüngfernchen, von denen wir ſo eben ſprachen; ſeine Augen mußten, wenn ſie geſenkt waren, die außerordentlichſte Ehr⸗ lichkeit anzeigen, und wenn die Demuth eine menſch⸗ liche Geſtalt angenommen hätte, ſo würde ſie keinen


