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Eines Tags— am dritten Tag nach ihrer An⸗ kunft— nahm ſich Johanna das Herz ihren Vater über dieſes Teſtament zu befragen.
„Schon gut, ſchon gut,“ antwortete dieſer;„ich werde Dich das Teſtament ſehen laſſen, ſobald Du mir das Kind gezeigt haſt, jedoch unter einer Be⸗ dingung.“
„Unter welcher?“ fragte Johanna.
„Damit Du mir kein weinerliches und kopfhän⸗ geriſches Kind zur Welt bringſt, mußt Du mir über die ganze Zeit Deiner Entbindung ein Liedchen ſingen.“
Die Sache murde ſo verabredet.
Am 13. December, folglich neun Tage nach ihrer Ankunft, begann Johanna die erſten Wehen zu em⸗ pfinden.
Sie ſchickte ſogleich zu ihrem Vater, verbot je⸗ doch ihm zu ſagen, von was es ſich handle.
Der König kam, und als er ſeine Tochter ſingen hörte, ſagte er:
„Ah gut! Es ſcheint der Augenblick iſt da und ich werde bald Großvater werden.“
Selbſt während der größten Schmerzen unter⸗ brach Johanna ihren Geſang nicht: ſie murde ſin⸗ gend entbunden. Deßhalb bemerkte man auch, daß Heinrich W lachend zur Welt kam, während die meiſten andern Kinder ſchreiend das Tageslicht er⸗ blicken.
Kaum war das Kind da, ſo verſicherte ſich der König, daß es ein Knabe war. Dann eilte er in ſein Kabinet, nahm das in einer goldenen Kapſel aufbewahrte Teſtament und überbrachte es der Prin⸗ zeſſin; aber während er ihr mit der einen Hand


