Teil eines Werkes 
12.-16 Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

52

Aloyſe ſchaute jedoch Diana aufmerkſam an, faltete die Hände und rief zugleich lächelnd und ſeufzend: „Wie ſchön ſeid Ihr!“ Sie lächelte, denn ſie hatte das junge Mädchen, 1 das eine ſo ſchöne Dame geworden, ſehr geliebt. Sie ſeuſgte⸗ denn ſie ermaß den ganzen Schmerz von Ga⸗ riel. Diana verſtand den zugleich ſchwermüthigen und entzückten Blick von Aloyſe und ſagte haſtig, während ſie zugleich ein wenig erröthete: „Ich bin nicht gekommen, um von mir zu ſpre⸗ chen, Amme.“ „Von ihm etwa?“ fragte Aloyſe. „Von wem ſonſt? vor Dir kann ich mein Herz öffnen. Welch ein Unglück, daß ich ihn nicht gefunden habe; ich kam, um ihn zu tröſten, und zugleich um mich ſelbſt zu tröſten. Wie iſt er? Nicht wahr ſehr düſter und ſehr troſtlos? Warum hat er mich nicht ein ein⸗ ziges Mal im Lonvre beſucht? Was ſagt er, was thut er? Sprich! ſprich doch, Amme!“ „Ach! gnädige Frau,“ erwiederte Aloyſe,„Ihr habt ſehr Recht, wenn Ihr glaubt, er ſei düſter und troſtlos. Stellt Euch vor..“ Diana unterbrach die Amme: „Warte doch, gute Aloyſe; ehe Du anfängſt, habe ich Dir Eines zu empfehlen. Siehſt Du, ich würde bis morgen bleiben und Dich anhören, ohne müde zu wer⸗ den, ohne zu bemerken, wie die Zeit entflieht. Doch ich muß nach dem Louvre zurückkehren, ehe man meine Abweſenheit bemerkt hat. Verſprich mir alſo, daß Du mich, wenn ich eine Stunde bei Dir geweſen bin, mag er nach Hauſe gekommen ſein oder nicht, davon be⸗ nachrichtigſt und mich wegſchickſt.“ „Ach! gnädige Frau, ich dürfte auch die Stunde vergeſſen, denn ich würde eben ſo wenig müde werden, mit Euch zu ſprechen, als Ihr, mich zu hören.“