Teil eines Werkes 
12.-16 Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

ben habt, obgleich ſie mich betrübt, und ich füge mich, wie ich es Euch verſprochen.“

„Und ich danke Dir meinerſeits für Deine Bot⸗ mäßigkeit,“ ſagte Gabriel;„Dein ergebenes Gemüth be⸗ weiſt ſich hier dadurch, daß Du nicht die Bürde der Verantwortlichkeit, die mich niederdrückt, erſchwerſt.“

„Aber ich, gnädiger Herr,“ verſetzte Martin⸗Guerre, „vermag ich bei dieſer Gelegenheit durchaus nichts, um Euch zu dienen?“

„Du kannſt zu Gott beten, Martin, daß er mir nach meinem Wunſche die Initiative erſpart, welche zu nehmen mich ſo große Anſtrengung koſtet. Du haſt ein frommes Herz und ein ehrliches, reines Leben für Dich, mein Freund, und Dein Gebet kann mir hier mehr nützen, als Dein Arm.“

„Ich werde beten, gnädiger Herr, ich werde beten, und ich brauche Euch nicht zu ſagen, mit welcher In⸗ brunſt.“

„Nun lebe wohl, Martin,“ ſprach Gabriel,„ich muß Dich verlaſſen, um nach Paris zurückzukehren, um bereit und gegenwärtig an dem Tage zu ſein, den zu bezeichnen es Gott gefallen wird. Mein ganzes Leben habe ich das Recht vertheidigt, für die Billigkeit ge⸗ kämpft: der Herr erinnere ſich deſſen an dem äußerſten Tage, von dem ich ſpreche; er laſſe Gerechtigkeit ſeinem Diener widerfahren, wie ich ſie dem meinigen habe

widerfahren laſſen.“

Und die Augen zum Himmel aufſchlagend, wieder⸗ holte der ochherſihe junge Mann:

„Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!“

Wenn der junge Mann ſeit ſechs Monaten die Augen offen hatte, war es gewöhnlich, um ſie auf den Himmel zu heften, von dem er Gerechtigkeit forderte. Wenn er ſie wieder ſchloß, war es ſtets, um das dü⸗ ſtere Gefängniß des Chatelet in ſeinem noch düſtereren Geiſte zu ſehen, der in ihm: Rache! Rache! rief.

Zehn Minuten nachher entriß er ſich mit großer

Die beiden Dianen. 1V. 2