Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

darüber nachdenken; da das Intereſſe des Staates minder dringend würde, ſo wäre es grauſam von ihm, mein Glück zu gefährden; er könnte Franz von Mont⸗ morency eine Entſchädigung geben, mit der er ſich zu begnügen hätte. Er verſprach nichts, doch er wird Alles halten, Gabriel. Oh! Ihr werdet ihn lieben, Gabriel, wie ich ihn liebe, dieſen guten Vater, der ſo die Träume von ſechs Jahren verwirklichen wird! Ich habe Euch ſo viel zu ſagen, und dieſe geſchriebenen Worte ſind ſo kalt! Höret, Freund, kommt dieſen Abend um ſechs Uhr, während des Rathes. Jaeinthe wird Euch zu mir führen, und wir haben dann eine gute Stunde, um über die ſtrahlende Zukunft, die ſich vor uns öffnet, zu plaudern. Ich ſehe auch vorher, daß dieſer Feldzug in Flandern Euch fordern wird, und Ihr müßt ihn leider mitmachen, um dem König zu dienen und mich zu verdienen, mein Herr, mich, die ich Euch ſo ſehr liebe. Denn ich liebe Euch, mein Gott, ja! wozu ſollte es nun nützen, wenn ich es Euch verbergen würde? Kommt alſo, damit ich ſehe, ob Ihr ſo glücklich ſeid, als Eure Diana.“

„Oh! ja, ſehr glücklich!“ rief Gabriel mit lauter Stimme, als er dieſen Brief bis zum Ende geleſen hatte,„und was fehlt nun noch zu meinem Glück?“

„Nicht die Gegenwart Eurer alten Amme,“ ſprach plötzlich Aloyſe, welche unbeweglich und ſchweigſam im Schatten ſitzen geblieben war.

„Aloyſe!“ rief Gabriel, indem er auf ſie zueilte

und ſie umarmte,„Aloyſe! oh! doch, gute Amme, Du

fehlteſt mir. Wie geht es Dir? Du haſt Dich nicht

verändert. Umarme mich noch einmal, ich habe mich auch nicht verändert, wenigſtens nicht im Herzen, in dieſem Herzen, das Dich liebt. Dein Zögern beunru⸗ higte mich ſehr. Frage nur Martin warum haſt Du ſo lange auf Dich warten laſſen?“

„Die letzten Regen, gnädiger Herr, hoͤhlten die

4