Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

moutiers hinauf. Der Prieſter war ſchon am Altar. Ich weiß nicht, welche Worte man um mich her ſprach, welche Worte man mir dictirte; ich fühlte nur, wie in einem Augenblick in dieſem ſeltſamen Traume der Herzog mir einen Ring an den Finger ſchob. Dann nach Verlauf von zwanzig Minuten oder von zwanzig Jahren, ich habe kein Bewußtſein davon, traf mich eine friſchere Luft ins Geſicht. Wir verließen die Kapelle; man nannte mich Frau Herzogin, ich war verheirathet! Hörſt Du wohl, Gabriel? ich war verheirathet!“

Gahriel antwortete nur durch ein wildes Gelächter.

„O Gabriel,“ ſprach Diana,„ich war wirklich ſo außer mir, daß ich zum erſten Male, als ich nach Hauſe zurückkehrte, nachdem ich mich etwas erholt, daran dachte,

den Gemahl anzuſchauen, den alle dieſe Fremden mir auf⸗

genöthigt hatten. Bis dahin hatte ich ihn geſehen, aber nicht angeſchaut, Gabriel. Ah! mein armer Gabriel, er iſt viel weniger ſchön als Du! Vor Allem iſt ſein Wuchs mittelmäßig, und in ſeinen reichen Kleidern erſcheint er bei Weitem nicht ſo zierlich als Du in Deinem einfachen

praunen Wamms. Und dann hat er eine eben ſo unver⸗

ſchämte, hochmüthige Miene, als Du ſanft und artig aus⸗ ſiehſt. Füge dem brennend blonde Haare und einen eben ſolchen Bart bei. Ich bin geopfert, Gabriel. Nachdem er ſich eine Zeit lang mit demjenigen beſprochen hatte, wel⸗ cher ſich für den Stellvertreter des Königs ausgab, näherte ſich mir der Herzog, nahm mich bei der Hand und ſagte mit einem ſehr feinen Lächeln:

„„Frau Herzogin, verzeiht, daß ich in die harte Nothwendigkeit verſetzt bin, Euch ſo bald zu verlaſſen. Doch Ihr wißt, oder Ihr wißt nicht, daß wir im heftig⸗ ſten Kriege mit Spanien begriffen ſind, und meine Ge⸗ wappneten fordern auf der Stelle meine Gegenwart. Ich hoffe die Freude zu haben, Euch in einiger Zeit am Hofe wiederzuſehen, wo Ihr von dieſer Woche an in der Nähe Seiner Majeſtät wohnen werdet. Ich bitte Euch,