34 Sie hatte alſo gefühlt, Charny könnte dieſe Frau
anſchauen, und ſie würde etwas dabei verlieren, daß
ſie Charny anſchaute?
Oder ſollte ſie vielleicht zu bemerken geglaubt haben, Charny liebe ſie weniger, ohne daß eine äußere Urſache dieſe Liebe vermindert?
Nichts iſt nachtheiliger für die Eiferſüchtigen, als die Kenntniß, die ſie den Andern von der Temperatur dieſes Herzens geben, das ſie in ſeiner größten Wärme zu erhalten trachten.
Wie oft geſchieht es, daß der geliebte Gegenſtand durch Vorwürfe über ſeine Kälte von der Kälte unter⸗ richtet wird, die er zu empfinden anfing, ohne ſich dar⸗ über Rechenſchaft zu geben.
Und wenn er das ſieht, wenn er die Wahrheit des Vorwurfs fühlt, ſagen Sie, Madame, wie oft haben Sie geſehen, daß er ſich zurückführen läßt, wie oft zündet er die erlöſchende Flamme wieder an?
Ohungeſchicklichkeit der Liebenden! Es iſt allerdings wahr, daß da, wo viel Geſchicklichkeit iſt, nie genug Liebe iſt.
Marie Antoinette hatte alſo ſelbſt Charny durch ihren Zorn und durch ihre Ungerechtigkeiten belehrt, es ſei etwas weniger Liebe im Grunde ſeines Herzens.
Und ſobald er dies wußte, ſuchte er die Urſache,
indem er umherſchaute, und unter ſeinem Blick fand er ganz natürlich die Urſache der Eiferſucht der Königin⸗
Andrée, die arme verlaſſene Andrée, Gattin, ohne Frau zu ſein.
Er beklagte Andrée.
Die Scene bei der Rückkehr von Paris hatte ihm das tiefe, vor Aller Augen verborgene Eiferſuchtsge⸗ heimniß entdeckt.
Sie auch, die Königin ſah auch, daß Alles en⸗
deckt war, und da ſie ſich nicht vor Charny beugen wollte, wandte ſie ein anderes Mittel an, das ſie nach ihrer Meinung zu demſelben Ziele führen mußte.


