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„Ich danke, mein Herr, ruhen Sie aus,“ ſprach die Königin zu dem jungen Edelmann.
Der junge Mann verbeugte ſich und trat ab.
Sie nahm ihre zwei Kinder bei der Hand und wandte ſich nach der großen Freitreppe, auf der ſich ſchon alle Diener und Höflinge gruppirten.
Das durchdringende Auge der Königin erblickte auf der erſten Stufe eine weiße junge Frau, die ſich auf das ſteinerne Geländer ſtützte und einen gierigen Blick in die Schatten der Nacht tauchte.
Das war Andrée, deren Beklommenheit die Ge⸗ genwart der Königin nicht zu zerſtreuen vermochte.
Offenbar hatte ſie, die ſonſt ſo eifrig, ſich an die Seite der Königin zu ſtellen, ihre Gebieterin nicht ge⸗ ſehen oder nicht ſehen wollen.
Sie hegte alſo einen Groll wegen der Heftigkeit von Marie Antvinette, einer grauſamen Heftigkeit, unter der ſie am Tage zu leiden gehabt hatte.
Oder von einem Gefühle mächtiger Theilnahme angetrieben, lauerte ſie für ihre eigene Rechnung auf die Rückkehr von Charny, für den ſie ſo viele liebevolle Befürchtungen geäußert hatte.
Ein doppelter Dolchſtoß, der bei der Königin eine noch blutende Wunde wieder öffnete.
Sie hörte nur noch mit zerſtreutem Ohr auf die Glückwünſche und die Freude ihrer anderen Freundin⸗ nen und der Höflinge.
Sie fühlte ſich ſogar einen Augenblick dem heftigen Schmerz entrückt der ſie den ganzen Abend niedergebeugt⸗ hatte. Ein Waffenſtillſtand bildete ſich in ihr für die Unruhe, welche in ihrem Herzen die Reiſe des durch ſo viele Feinde bedrohten Königs erregte.
Doch mit einer ſtarken Seele verjagte ſie bald Alles,
was nicht die geſetzliche Zuneigung ihres Herzens war. Sie legte zu den Füßen Gottes ihre Eiferſucht, ſie opferte ihren geheimen Zorn und ihre geheimen Freu⸗ den der Heiligkeit des ehelichen Schwures.


