229
Er näherte ſich ihr und ſagte mit dem Ton der freundſchaftlichſten Theilnahme:
„Was gibt es, Madame?“
Indrée machte eine Anſtrengung gegen ſich ſelbſt und erw derte:
„Nichts, Herr Graf.“
Charny wandte ſich nun gegen die Königin, welche, obgleich völlig gewöhnt an zweideutige Lagen, zehnmal Lächeln gleichſam untermalt, aber nicht vollendet
atte.
„Sie ſchienen an der Ergebenheit von Herrn Gil⸗ bert zu zweifeln,“ ſagte er zu Andrée;„ſollten Sie einen Grund haben, ſeine Treue zu beargwohnen?“
Andiée ſchwieg.
„Sprechen Sie, Madame, ſprechen Sie,“ fügte Charny dringend bei.
Dann, als Andrée immer ſtumm blieb, fuhr er fort:
„Oh! ſprechen Sie, Madame, dieſe Zartheit wäre hier verdammenswerth; bedenken Sie, daß es ſich um das Heil unſerer Gebieter handelt.“
„Ich weiß nicht, mein Herr, in welcher Beziehung Sie das ſagen,“ antwortete Andiée.
„Sie haben geſagt, und ich habe es gehört, Ma⸗ dame ich berufe mich überdies auf die Prinzeſſin...“ Charny verbeugte ſich vor Frau von Lamballe„Sie haben geſagt und ausgerufen:„„Oh! dieſer Mann! dieſer Mann! Ihr Freund!...“
„Es iſt wahr, Sie haben das geſagt, meine Liebe,“ beſtätigte die Prinzeſſin von Lamballe mit ihrer naiven Gutmüthigkeit.
Dann näherte ſie ſich Andrée ebenfalls und ſprach: „Ja, Sie wiſſen etwas. Herr von Charny hat
Recht.“
„Haben Sie Mitleid, Madame, haben Sie Mit⸗ leid,“ betonte Andrée mit ſo leiſer Stimme, daß ſie nur von der Prinzeſſin gehört werden konnte.
Die Prinzeſſin entfernte ſich.


