Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

230

die gewiſſenhaften und naiven Männer der Partei ſich verſprechen, zuſammenzukommen und, was auch ge⸗ möge, dem angefangenen Unternehmen Folge zu eben.

Dann wachen noch Andere in weniger redlichen und beſonders weniger philanthropiſchen Gefühlen; das ſind die Menſchen des Haſſes, die man bei jeder großen Er⸗ ſchütterung der Geſellſchaft wiederfindet, dieſe Leute, welche die Unruhe, den Tumult, den Anblick des Blutes lie⸗ ben, wie die Geier und die Tiger die Heere lieben, die ſich ſchlagen und ihnen Leichname liefern.

Marat in ſeiner unterirdiſchen Wohnung, wohin ihn ſeine Monomauie verweiſt, Marat glaubt immer ver⸗ folgt, bedroht zu ſein, oder ſtellt ſich, als glaubte er es: er ſieht in der Finſterniß wie die Raubthiere und die Nachtvögel; aus dieſer Finſterniß kommen, wie aus der Höhle von Trophonius oder von Delphi, alle Morgen Unheil weiſſagende Orakel hervor, zerſtreut auf Blättern des Journals, das man den Ami du peuple nennt. Seit ein paar Tagen ſchwitzt das Blatt von Marat Blut; ſeit der Rückkehr des Königs ſchlägt er als einziges Mittel, die Rechte und die Intereſſen des Volkes zu ſchirmen, einen einzigen Dictator und eine allgemeine Schlächterei vor. Nach der Behauptung von Marat muß man vyr Allem die Nationalverſammlung erwürgen und die Behörden aufhängen; dann beautragt er, in Form einer Variante, da ihm das Erwürgen und das Hängen nicht genügen, die Hände abzuſägen, die Daumen abzu⸗ ſchneiden, lebendig zu begraben, auf Pfähle zu ſtecken! Es iſt Zeit, daß der Arzt von Marat nach ſeiner Ge⸗ wohnheit kommt und ihm ſagt:Sie ſchreiben roth, Marat, ich muß Ihnen zur Ader laſſen!

Verriore, dieſer abſcheuliche Buckelige, dieſer entſetz⸗ liche Zwerg mit den langen Armen und den langen Bei⸗ nen, den wir am Anfange dieſes Buches haben erſcheinen ſehen, um den 5. und 6. October zu machen, und der,