anzukündigen, er müſſe mir etwas ſagen. Ich erwarte,
daß er die Güte hat, zu ſprechen.“
„Billot,“ fragte Charny, woher kommt es, daß ich
Sie hier, beauftragt mit einer Racheſendung, treffe? Ich
hielt Sie für den Freund von uns Adeligen und über⸗
dies für einen guten und trenen Unterthan des Königs.“
„Ich bin ein guter und treuer Unterthan des Kö⸗ nigs geweſen, Herr Graf; ich bin nicht Ihr Freund geweſen, eine ſolche Ehre war einem armen Pächter, wie mir, nicht beſchieden, ſondern Ihr gehorſamer Diener.“
„Nun?“
„Nun, Herr Graf, Sie ſehen, ich bin nichts mehr von Allem dem.“
„Ich begreife Sie nicht.“
„Warum wollen Sie mich begreifen, Herr Graf?
Frage ich Sie nach den Urſachen Ihrer Treue für
den König, nach den Urſachen Ihrer Ergebenheit für
die Königin? Rein, ich nehme an, Sie haben Ihre
Gründe, um ſo zu handeln, und da Sie ein redſicher
und vernünftiger Mann ſind, ſo ſeien Ihre Gründe gut, oder wenigſtens nach Ihrem Gewiſſen gut. Ich habe
nicht Ihre hohe Stellung, Herr Graf, ich habe dicht Ihr
Wiſſen; doch Sie kennen mich oder haben mich auch als
einen redlichen und vernünftigen Mann gekannt! nehmen Sie alſo an, ich habe, wie Sie, meine Gründe, welche,
wenn ſie nicht gut, doch meinem Gewiſſen entſprechen!“
„Billot,“ ſagte Charny, der durchaus nichts von den Motiven des Haſſes wußte, welche der Pächter gegen den Adel oder das Königthum haben konnte,„ich habe Sie, und das iſt nicht lange her, ganz anders gekannt, als Sie heute ſind.“
„Oh! gewiß, ich lengne es nicht,“ erwiederte Billot mit einem bittern Lächeln;„ja, Sie haben mich ganz anders gekannt, als ich heute bin; ich will Ihnen ſagen, wie ich war, Herr Graf: ich war ein ächter Patriot, Die Gräfin von Charny. V. 2


