Der Chevalier von Harmenital. 151
der Meſſe kam, ein armſeliger Bettler, welcher auf den Stufen der Kirchthüre ſaß.“ So ſprechend überreichte der Herzog von St. Simon dem Regenten ein auf grobes Papier gedrucktes Gedicht. Der Regent nahm das Blatt; es waren Wort für Wort jene ſchmachvollen Verſe, welche, wie unſre geneigten Leſer ſich erinnern werden, bei dem Feſte in Sceaur nach beendigter Abendtafel von dem bös⸗ willigen mürriſchen Poeten vorgetragen wurden, dem Har⸗ mental beim Fortgehen verſicherte, er werde ihn mit Freuden über den Haufen rennen, wenn er ſicher wäre ihn zu zertreten.
„Erkennen Ew. königliche Hoheit den Sthl?“ fragte St. Simon.
„Allerdings!“ antwortete der Regent,„das Schmäh⸗ gedicht iſt von Lagrange Chancel. Aber ich erkenne Sie darin, meine Damen, Sie Frau von Maintenon und Sie Frau von Maine. Der elende Lagrange Chan⸗ cel iſt nur Ihr Werkzeug.— St. Simon, wenn ich nun bedenke daß ich ſie ſämmtlich unter meinen Füßen habe, daß ich nur niederzutreten brauche um ſie zu zermalmen...“
„Sie zu zermalmen, gnädigſter Herr!“ wiederholte St. Simon;„eine ſolche Gelegenheit bietet ſich nicht
alle Tage, und wenn ſie ſich zeigt, muß man ſie benutzen!“
Der Regent ſann einen Augenblick nach und ſein zor⸗
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