Der Chevalier von Harmental. 161
„Mein lieber Abbé, wenn Sie nicht der Teufel ſebſt ſind,“ rief unſer Held,„ſo ſtehen Sie wenigſtens mit ihm in engem Bunde.“
„Ei nicht doch, mein junger Freund; ich bin ein ein⸗ facher ſtiller Mann, der ruhig ſeines Weges ſchlendert, aber dabei hald rechts bald links, bald nach oben bald nach unten blickt, das iſt alles. Ihr Fenſter da.. aber das iſt ja ſo feſt berſchloſſen bei dem freundlichen Sonnen⸗ ſtrahl... laſſen Sie ihn doch herein... Doch vergeben Sie, ich dachte nicht daran daß, wenn Sie dieſes Fen⸗ ſter hier öffnen, ein andres ſich verſchließt.“
„Sie ſind ſehr ſchlau, mein Herr Vormund, aber da⸗ bei ſo indiscret, daß ich Sie, wenn Sie nicht dem geiſt⸗ lichen Stande angehörten, zur Rechenſchaft ziehen würde.“
„Und weshalb das, mein junger Freund? Etwa weil ich Ihnen den Weg zum Glück, zum Ruhm und viel⸗
leicht auch zur Liebe öffnen will? Das wäre ja eine
ſchauderhafte Undankbarkeit!“
„Darum wollen wir Freunde bleiben, Abbé,“ ſprach Harmental ſeinem Gaſte die Hand reichend; jetzt aber was bringen Sie Neues?“
„Neues, woher?“
„Was weiß ich? Aus der Rue des Bons⸗Enfants
oder dem Arſenal, von der Herzogin von Maine oder Chevalier v. Harmental. U. 11


