Der Chevalier von Harmental. 145
Von dem Apothekertiſche war er in den Salon, von da in den Thronſaal gelangt. Er war einer jener Männer die, um uns eines Ausdrucks des Herrn von Talleh⸗ rand zu bedienen, nicht emporkommen ſondern empor⸗ ſteigen.
Seine letzte Negociation war ein wahrhaftes Meiſter⸗ ſtück, mehr als die Ratification von Utrecht und weit vortheilhafter für Frankreich. Der Kaiſer entſagte nicht nur allen ſeinen Rechten auf die Krone Spaniens, wie Philipp V. auf die ſeinigen und auf die Krone Frank⸗ reichs verzichtet hatte, ſondern er ſchloß ſich 6 mit England und Holland der Ligue an, welche ün Süden gegen Spanien und im Norden gegen Schweden und
Rußland gebildet war. Die Theilung der fünf bis ſechs
großen Staaten von Europa war durch dieſen Tractat auf eine ſo ſolide und gerechte Grundlage geſtellt, daß nach hundertundzwanzig Jahren der Kriege und Umwäl⸗ zungen alle dieſe Staaten, das deutſche Reich ausgenom⸗ men, ſich jetzt faſt in derſelben Lage befinden, in welcher ſie damals waren.
Der Regent liebte dieſen Mann, der ſeine geiehen geleitet und deſſen Glück er gemacht hatte. Er erkannte in ihm alle ſeine guten Eigenſchaften und überſah die Laſter, die ihm eigen waren. Zwiſchen dem Regenten
Chevglier v. Harmental. II. 10


