meiner furchtbarſten Ingenderinnerungen iſt mit dieſem Berge verknüpft.— In einer Winternacht, als der Schnee ſeinen weißen Teppich auf dieſer langen Allee ausgebreitet hatte, bemerkte ich, daß mir in der Stille auf zwanzig Schritte ein Thier von der Geſtalt eines großen Hundes folgte, deſſen Augen wie zwei glühende Kohlen glänzten...
Ich brauchte das Thier nicht zweimal anzuſchauen, um es zu erkennen.
Es war ein ungeheurer Wolf.
Ah! hätte ich meine Flinte oder meine Büchſe ge⸗ habt, oder nur einen Stahl und einen Feuerſtein!... Doch ich hatte nicht einmal eine Piſtole, nicht einmal eine Taſchenmeſſer, nicht einmal ein Federmeſſer!
Zum Glücke kannte ich, ſchon ſeit fünf Jahren Jäger, obwohl ich erſt fünfzehn zählte, die Sitten des Nachtſchwärmers, mit dem ich es zu thun hatte; ich wußte, daß ich, ſo lange ich aufrecht war und nicht floh, nichts zu fürchten brauchte. Aber ſchan, mein Kind, der Berg iſt ganz durchſchnitten von Höhlen; ich konnte in eine von dieſen Höhlen fallen: dann wäre der Wolf mit einem Sprunge auf mir, und ich wüßte ſchon, wer von uns Beiden die beſten Zähne und die beſten Klauen hätte.
Das Herz ſchlug mir gewaltig. Ich fing indeſſen an zu ſingen; ich habe immer abſcheulich falſch geſungen: ein auch nur ein wenig muſikaliſcher Wolf wäre da⸗ von gelaufen. Der meine war es nicht; die Muſik gefielihm im Gegentheil: er ſecundirte mit einem klägli⸗ chen, hungerigen Geheule. Ich ſchwieg und ging immer weiter, jenen Verdammten ähnlich, welchen Satan den Hals umgedreht hat, und die Dante im dritten Kreiſe der Hölle vorwärts marſchirend und rückwärts ſchauend
ndet. Doch ich gewahrte bald, daß ich eine große Un⸗
klugheit beging; indem ich auf die Seite des
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