27 die ſcharlachrothe Infanterie Englands, die hannöverſchen Chevaulegers mit ihren länglichen, ledernen Helmen, beſetzt mit Kupferſtreifen und mit rothen Roßhaarbüſchen, die Schot⸗ ten mit bloßem Knie und karrirten Plaids, die großen weißen Gammaſchen der Grenadiere;— das ſind Bilder, aber keine ſtrategiſchen Linien. Es iſt, was Salvator Roſa be⸗ rauſcht, nicht aber Gribeauval.
Eine gewiſſe Menge Sturm miſcht ſich ſtets in eine Schlacht. Quid obscurum, quid divinum. Jeder Ge⸗ ſchichtsſchreiber bringt in dieſes Gewirr einige ihm gefällige Linien. Wie auch die Pläne der Generäle ſein mögen, hat doch der Angriff der bewaffneten Maſſen unberechenbare Zu⸗ fälle; in dem Gefecht dringen die Pläne der beiden Feldherrn in einander ein und entſtellen ſich einander. Die Schlacht⸗ linie dreht und wendet ſich wie ein Faden; die Blutſtröme rieſeln unlogiſch; die Fronten der Armeen ſchwanken, die Regimenter, welche vordringen oder zurückweichen, bilden Vorgebirge oder Schluchten; alle dieſe Klippen bewegen ſich unabläſſig und ineinander. Wo Infanterie ſtand, kommt Artillerie hin, wo die Artillerie war, eilt die Kavallerie herbei; die Bataillone ſind Wolken; dort war Etwas; ſucht es; es iſt verſchwunden; Lücken werden ausgefüllt; finſtere Linien dringen vor und weichen zurück; eine Art von Wind des Grabes treibt dieſe tragiſchen Maſſen vorwärts, zurück, ſchwillt ſie an, ſprengt ſie auseinander. Was iſt ein Hand⸗ gemenge und ein Hin⸗ und Herwogen. Die Unbeweglichkeit eines mathematiſchen Planes drückt eine Minute aus und nicht einen Tag. Um eine Schlacht zu ſchildern bedarf es jener gewaltigen Maler, welche das Chaos in ihrem Pinſel führen. Rembrandt iſt dazu beſſer wie Vandermeulen. Der Maler, um Mittag zuverläſſig, lügt um drei Uhr; die Geometrie täuſcht; nur der Sturm allein iſt wahr. Dadurch gewinnt Folard das Recht Polybius zu widerſprechen. Fügen wir hinzu, daß es ſtets einen gewiſſen Augenblickgiebt, in welchem die


