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Thénardier beſonders war eine Verlegenheit für den Phyſiognomen. Man braucht gewiſſe Menſchen nur an— zuſehen, um ihnen zu mißtrauen, denn man erkennt ſie finſter an beiden Enden. Nach rückwärts ſind ſie beſorgnißerregend, nach vorwärts drohend. Es liegt in ihnen etwas Unbe⸗ kanntes. Man kann weder für Das haften, was ſie gethan haben, noch für Das, was ſie thun werden. Der Schatten, der in ihrem Blute liegt, klagt ſie an. Sobald man ſie nur ein Wort ſprechen hört oder eine Bewegung machen ſieht, ahnt man finſtere Geheimniſſe in ihrer Vergangenheit und finſtere Myſterien in ihrer Zukunft.
Thénardier war, wenn man ihm glauben durfte, Sol⸗ dat geweſen; Sergeant, ſagte er; er hatte wahrſcheinlich den Feldzug von 1815 mitgemacht und ſich ſogar, wie es ſcheint, ziemlich tapfer benommen. Wir werden ſpäter ſehen, was daran war. Das Schild ſeiner Kneipe war eine An⸗ ſpielung auf eine ſeiner Waffenthaten. Er hatte es ſelbſt gemalt, denn er verſtand Etwas von Allem; ſchlecht.
Es war die Zeit, in welcher der antike klaſſiſche Roman, der, nachdem er Clelia geweſen, nichts mehr war als Lo⸗ doiska, ſtets nobel, aber mehr und mehr gemein, von Made⸗ moiſelle Scudéry zu Madame Bournon⸗Malarme herab⸗ geſunken, und von Madame Lafayette zu Madame Barthélemy⸗ Hadot, die liebende Seele der Thürhüterinnen von Paris entzündete und ſelbſt die Bannmeile ein wenig verheerte. Madame Thénardier war gerade gebildet genug, um dieſe Art von Büchern zu leſen. Sie nährte ſich damit. Sie ertränkte darin, was ſie noch von Hirn hatte; das gab ihr, ſo lange ſie noch ſehr jung war, und ſelbſt noch etwas ſpäter eine Art nachdenkender Haltung bei ihrem Manne, einem Schelm von gewiſſer Tiefe, einem Schuft, gelehrt bis auf die Grammatik, roh und fein zugleich, der aber im Punkte des Sentimentalismus Pigault⸗Lebrun las, und in Beziehung auf Alles,„was das Geſchlecht berührte“, wie


