344 ich gewohnt war, mir durch Ihr Geſpräch zu ver⸗ kürzen. In der Spannung, mit der ich einem Brief meines Mannes oder ſeiner Rückkehr entgegen ſehe, wäre ich wenig fähig, unſere Lectüre fortzuſetzen oder ſo ruhig dem Flug Ihrer Gedanken zu folgen, wie man muß, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Seien Sie getroſt und ſiegreich und hei⸗ ter, wenn wir uns nach dieſer gewiß nur kurzen Pauſe wiederſehen. Ihre Freundin Helene Morten.“
Ich hatte den Brief längſt ausgeleſen und konnte die Augen doch noch nicht von der verblaßten, zar⸗ ten und zugleich feſten Handſchrift trennen. Auch ſtörte mich der Alte lange Zeit gar nicht in meiner ſtillen Feier. Die Uhr tickte müde und hart da⸗ zwiſchen und ſchlug endlich mit vollem Klang die elfte Stunde. Da wandte er ſich um von ſeinem Fenſter, ging auf mich zu und ſagte, mir die Hand ſanft auf die Schulter legend:„Werden Sie nun hintreten können, wenn die Welt ſagt, Helene Mor⸗ ten ſtarb unglücklich, und zeugen, daß ſie zu hoch geſtanden für das Unglück?“


