Druckschrift 
Neue Novellen : Slg. 2 / [Paul Johann Ludwig Heyse]
Einzelbild herunterladen

28

hören mußten, durch die ich lebe und ſterbe. Warum hat der Hund dich nicht zerriſſen, ehe ich wußte, daß du gekommen biſt, mein Herz zu zerreißen? Warum iſt dein Fuß nicht an den Abgründen aus geglitten? Wehe, wehe! Siehe meinen Jammer, Madonna!

Sie ſtürzte nieder vor dem Bilde, lag mit der Stirn gegen den Boden, die Hände weit von ſich geſtreckt, und ſchien zu beten. Der Mann hörte den Lärm des Hundes, dazwiſchen das Murmeln und Stöhnen des unglücklichen Mädchens, während der Mond nun ſchon Macht gewann und das Gemach durchleuchtete. Ehe er aber noch ſich faſſen und ein Wort ausſprechen konnte, fühlte er ſchon wieder ihre Arme an ſeinem Nacken, ihren Mund an ſeinem Halſe und heiße Thränen über ſein Geſicht fließen. Geh nicht in den Tod, Filippo! ſchluchzte die Arme.Wenn du bei mir bleibſt, wer will dich finden? Laß ſie reden, was ſie wollen, das Mör⸗ dergeſindel, die heimtückiſchen Elenden, ſchlimmer als die Wölfe des Apennin. Ja, ſagte ſie und ſah durch Thränen ſtrahlend zu ihm auf,du bleibſt, die Madonna hat dich mir geſchenkt, damit ich dich

3