956
O Heinrich, wie ſie da in die Thüre deines Kranken⸗ zimmers trat, zitternd, mit gefaltenen Händen, der alte Vater an ihrer Seite!—
Es war ihm, als ſollte er laut aufſchreien, vor innerſter Herzensnoth. Auf ihn wälzte ſich ſein ganzes Elend, die ganze Schmach ſeiner wilden Vergangenheit, die tollen Bilder ſeiner Vergnügungen, ſeiner Freundſchaften, ſeiner Sünden, er röchelte vor Qual....
—„Es wird gleich vorüber mit ihm ſein, aber der Todeskampf iſt gewaltig, wenn man ſo in der Blüthe hin⸗ ſtirbt“— ſagte der Pirnaiſche Arzt, der ſich eben von ſeinem Lager zurückbeugte.
Ellis ſtand noch immer an der Thür des Krankenzim⸗ mers, die gefaltenen Hände flogen zitternd hin und her. Sie hörte die gebrochenen und nur halb verſtändlichen Worte, in denen der Kranke von den Geſtalten redete, welche ſeine Phantaſie ihm vormalte. Sie hörte ſeine röchelnden Seuf⸗ zer und den dazwiſchen immer wieder auftauchenden Namen Ellis! 1
Sie ſahe ſeine bleichen, mageren Hände ausgeſtreckt, hoch in die Luft hinein, wie ſuchend, wie verlangend.....
—„Sie weicht mir aus, ſie flieht vor mir!“ rief er in ſeiner Fieberhitze aus. Ellis lehnte ſich halb ohnmächtig ge⸗ gen die Wand.— Der Baron, der bis dahin in einer Art ſcheuer Ehrfurcht nicht einmal gewagt hatte, das Mädchen zu begrüßen, trat ihr jetzt näher.
—„Darf ich ihm ſagen, daß Sie hier ſind? Ich weiß, daß dies ihn aus ſeinem Irrſinn erwecken wird!“
Ellis nickte mit dem Kopfe, matt und langſam, als wüßte ſie nicht, was ſie thäte.
Der Baron kehrte an das Bett des Freundes zurück.
„Heinrich“— rief er,„Dein— Vater iſt hier!“


