28
Auf Nebenwege haben beide Dresden erreicht, und der Baron, ein wohlbekannter Führer der Demokratie, hat ſchnell die Freunde gefunden, welche auserſehen ſind, an dieſem Orte den wilden, entſetzlichen Kampf zu leiten.
Es iſt im Anfange des Mai's. Die Stadt iſt in Auf⸗ regung. Ueberall Bürgerwehren, welche in ihre Verſamm⸗ lungslocale marſchiren und unter den Waffen berathſchlagen, ob Grundrechte, ob König, ob Revolution?
Zeitungsträger laufen geſchäftig durch die engen Stra⸗ ßen der Altſtadt. Hier und dort, an jede Ecke, kleben ſie Placate an. Dichte Gruppen ſtehen davor.—„Wir hinten können nichts leſen, einer mag vorleſen,“— rufen ſie. Und plötzlich heben ein Paar rieſige Kerle einen in die Höhe, und mit mächtiger Stimme wiederholt er den Inhalt der Schrift und ſetzt einige Phraſen voll revolutionairer Erregtheit hinzu. Ein allgemeines Bravo. Dazwiſchen dann finſtere Gerüchte. „Die Bürgerwehr ſoll entwaffnet werden, dann wird der Kö⸗ nig die Preußen kommen und uns niederkartätſchen laſſen. Der Abſolutismus ſoll wieder eingeführt werden.“ Auf ein⸗ mal heißt es:„Das Zeughaus iſt in der Hand des Volkes! Zu den Waffen! Baut Barricaden! Zu den Waffen! Die Soldaten ſind für uns!“ Und dazwiſchen von Zeit zu Zeit: „Cs lebe die Republik!“ Schon am vierten Mai ſind Bar⸗ ricaden errichtet; bald iſt die ganze Altſtadt eine gewaltige Feſtung. Nur die Elbbrücke giebt einen Zugang zu ihr, ſonſt iſt ſie ganz abgeſperrt und ganz in der Gewalt der Revolu⸗ tion. Die Barricaden, welche die Mündungen der Straßen — nach dem Platze vor der Elbbrücke zu— ſperren, ſind haushoch, und die vierundzwanzigpfündige Kugel trifft ſie ſo⸗ gar noch oft vergeblich. Man hat die breiten, ſchweren Sandſteinplatten, welche hier bei den Häuſern wegen der Nähe der Pirnaer Sandſteinbrüche, vielfach ſtatt der Dielen


